01.04.2016

Neueröffnung des Seilermuseums in der Kirchhalde Stockach

Über Jahrhunderte waren in Stockach und Umgebung viele kleine Betriebe angesiedelt die Seile aus Naturfasern wie Hanf und Flachs herstellten. Die sogenannten Binnenseiler arbeiteten fast ausschließlich für die Landwirtschaft. U.a. wurden dort Rinder- und Kälberstricke benötigt, zum Anbinden und Führen der Rinder. Der zunehmende Niedergang der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert, aber auch das Aufkommen von synthetischen Seilen, das zu einer zunehmenden Spezialisierung und industriellen Ausrichtung des Seilerhandwerks führte, brachte das Ende der kleinen Seilereien.

 

Auch die Stockacher Seilerei Muffler konnte nur überleben, indem sie sich den technischen Veränderungen stellte und sich mit den Jahren zum modernen Industriebetrieb entwickelte. Die Produktionsstätte musste wesentlich vergrößert und von der Kirchhalde in das östliche Stockach verlegt werden. Zurück blieb die alte Seilerei im Ortskern, in der bereits seit dem 18. Jahrhundert Seile hergestellt wurden. Bernhard Muffler, der Seilertradition seiner Familie verbunden, war allerdings immer der Überzeugung: „das Thema Seil sollte in diesem Haus präsent bleiben“. Darum ließ er im Jahr 2014 in die vorderen Räume der alten Seilerei in der Kirchgasse das „Seilerhaus Café & Bistro“ bauen. Nun, im zweiten Bauabschnitt, folgt dahinter der Bau eines kleinen Museums, das zukünftig den Besuchern die Geschichte des Seilerhandwerks näher bringen soll.

 

Professionelle Hilfe fand Muffler bei der Umsetzung dieses Projekts durch den Kulturwissenschaftler und Museumsgestalter Michael Fuchs aus Radolfzell, der u.a. auch für das Fasnachtsmuseum im Schloss Langenstein zuständig ist. „Eine besondere Herausforderung war es, die Jahrhunderte alte Geschichte des Seilerhandwerks auf kleinem Raum unterzubringen“, sagt Fuchs.

 

In mühevoller Kleinarbeit wurden Exponate gesammelt, restauriert, Filme und Bildmaterial gesichtet und die Geschichte der Familie Muffler und des Seilerhandwerks aufgearbeitet.

 

Neben den Ausstellungsstücken soll das Seilermuseum aber vor allem eine „lebendige Werkstatt“ werden, darunter versteht Bernhard Muffler vor allem das Einbinden der Besucher in die Museumsführungen. Experten bringen den Gästen die Grundlagen des Seilerhandwerks bei und in angemeldeten Veranstaltungen dürfen die Besucher sogar  selbst Hand anlegen und an der Seilherstellung mitwirken.

 

Eine besondere Sehenswürdigkeit sind die begehbaren Glasvitrinen, die im Museumsboden versenkte Geräte und elektrisch betriebene Seilmaschinen zeigen, die teilweise per Knopfdruck in Gang gesetzt werden können. Auch Filme und Hörstationen sorgen für einen abwechslungsreichen Museumsbesuch.

 

Um den Ausflug ins neue Seilermuseum zu einem krönenden Abschluss zu bringen werden die angebotenen Führungen mit einer kulinarischen Überraschung im „Seilerhaus Café & Bistro“ kombiniert. Damit sich die Stockacher Bürger selbst ein Bild vom neuen Seilermuseum machen konnten, wurde dort im Rahmen der feierlichen Eröffnung am 20. März 2016 ein Tag der offenen Tür veranstaltet.

 

Das Museum kann von Dienstag bis Samstag nach vorheriger Terminvereinbarung mit dem Café Seilerhaus besichtigt werden.

 

Weitere Informationen sowie Kontaktdaten finden Sie unter:

http://www.seilerhaus-cafe.de/

https://de-de.facebook.com/seilerhaus